Minimalismus

Seit langer Zeit füttere ich nun meinen Blog wieder. Ich habe lange überlegt was ich schreibe sollte und ob dieser Blog weiterhin nur meine kreative Seite zeigen sollte.

Ich bin zu dem Entschluss gekommen auch andere Themen anzutasten, die mich beschäftigen. Vielleicht interessiert es euch ja auch. Ich gehe auch irgendwie davon aus, dass kaum jemand dieses lesen wird. 🙂

Ich bin auf der Suche nach Glück und Erfüllung…. sind wir das nicht alle 🙂 ?

Ich frage mich, was dazu gehört ein erfülltes und glückliches Leben zu leben. Ich fühle mich im Alltag voll. der Kopft scheint zu explodieren. Ich kann mir kaum etwas merken, bin ungeduldig mit meinen Kindern und meinem Mann. Ich kann ihnen kaum gerecht werden. Ich fühle mich zum Teil geradezu lieblos mit Ihnen im Umgang. Ich funktioniere… ja das ist ganz bewußt das Wort mit dem ich mich beschreiben möchte. Funktionieren….

Aber Glück muss sich doch anders anfühlen. Wenn ich andere junge Familien sehe, bin ich neidisch. Wie entspannt sie doch aussehen. Es scheint als ob sie garkeinen Stress haben. Die kinder lachen und die Eltern halten Händchen. Oh Gott… sowas banales, Händchen halten…selbst das scheint für mich wie aus einer Traumwelt entschlüpft zu sein.

Unsere Kinder sind jung und anspruchsvoll. Wir wohnen weit weg von der Familie und somit bin ich zuhause mit den Kindern. Ich liebe sie und ich wünschte ich wäre wacher, entspannter, einfallsreicher, aktiver, vor allen Dingen liebevoller. Ich versuche mein Bestes zu geben. Doch ich fühle mich verloren. Wo oder wer bin ich?

Und gerade diese Antwort suche ich. Ich fühle mich als ob ich mich freischwimmen möchte. Ballast muss weg. Ich empfinde nicht meine Kinder als Ballast, vielmehr das alles drumherum. Der Dachboden steht voll, unter den Betten verschwinden Sachen die man eh in ein paar Tagen vergessen hat. Benutze ich wirklich alles was im Bad steht oder in der Küche? Ziehe ich alles an, was sich im Kleiderschrank stapelt?

Ich bin auf den Minimalismus aufmerksam geworden. Ich habe darüber gelesen und Dokumentationen gesehen. Ich war fasziniert und motiviert. Seit langer Zeit war ich richtig motiviert und ja…. geradezu irgenwie – glücklich !!

Ich fing voller Vorfreude auf das Glück an meine Küche auszusortieren. Auflaufformen, Gläser, Tassen, Besteck…. alles musste durch eine gründliche Kontrolle durch.

  • brauche ich das wirklich
  • habe ich es doppelt
  • wann habe ich es das letzte Mal benutzt
  • würde ich eher zu etwas anderem greifen

Ihr könnt euch nicht vorstellen wieviel ich weggeworfen, verschenkt oder verkauft habe. Es tat mir sehr gut. Mein Mann spielte bereitwillig mit, will er doch auch eine glückliche Frau haben. Weiter ging es auf dem Dachboden, im Kleiderschrank, im Bad …. wochenlang ging das. Minimalismus ist ein Prozess der lange dauert.

Er kann befreien… den Kopf frei machen.

Die ganzen Wochen nun habe ich brav ausgemistet. Und nun ? Bin ich glücklich? hmm… ich schaue mich um und sehe und erlebe immer noch Chaos. Sollte ich weiterhin ausmisten? Ich finde es bewunderswert wie andere mit gebügelten Sachen frisch aussehend morgens um 8 auf der Matte stehen. Ich kriege es gerade man hin nicht nackt vor die Türe zu treten und das Make up vom Vortag irgenwie nicht ganz so verschmiert erscheinen zu lassen. Vorher nochmal alle zusammengepfiffen das sie sich beeilen müssen und um punkt 9 Uhr fühle ich mich schon so als ob es 17 Uhr schon durch wäre. Mein Energielevel startet schon ziemlich niedrig und, sagen wir mal so, nimmt eine rapide Talfahrt vor sobald ich am Frühstückstisch sitze.

Woran kann das liegen ?

Ich denke ich bin ein hoffnungsloser Chaot. Darf man Chaot sein mit Kindern, auch noch als Frau ??? Ich glaube Männern wird das eher verziehen. Die Frau muss organisieren können… kochen, putzen, arbeiten, immer liebevoll und geduldig zu den Kindern und am Besten abends dem Mann noch ein leckeres Essen auf den Tisch stellen und ihm die Haare kraulen.

Fakt ist, ich hab garkeine lust mehr auf Haare kraulen. Der Kopf ist immer noch voll. Ich könnte schreien. Am liebsten würde ich einen Koffer packen. Alles was ich brauche in einen Koffer. Der Rest kann weg. Das klappt doch auch wenn man mit der kompletten Familie in den Urlaub fährt.

Natürlich geht das nicht….. oder etwas doch ?!

Ich wünschte ich hätte eine wirkliche Verbesserung gesehen nach dem Ausmisten. Es kommt mir vor wie einen unendliche Geschichte. Ist man jemals damit fertig ??

In der Dokumentation waren die Minimalisten natürlich ausgesprochen glücklich, diszipliniert und unglaublich ordentlich. Aber auch so leichtlebig. Sie schwebten geradezu durch den Alltag.

Ich geben nicht auf…. vielleicht ist Minimalismus wie abnehmen oder wie Sport treiben. Zwischendurch kommt ein Tief und der Trick ist nicht aufzugeben.

Ich versuche am Ball zu bleiben, für mich, für meine Kinder und für meinen Mann. Damit wir auch irgendwann morgens um 8 Uhr lächelnd auf der Matte stehen…mit zerknitterten Shirts…. ein Bügelfreund werde ich wohl nie. 😉

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5 Kommentare zu „Minimalismus

  1. Minimalismus ist ein Prozess.
    Ging mir genauso. Mittlerweile ist alles schön leer, so viel Platz vorhanden. Das macht mich sehr glücklich und ist in der Tat befreiend. Auch wenn manche das nicht so ganz verstehen und sich in Gesprächen für Konsum und Mehrbesitz aussprechen.
    Es schafft in der Tat Ordnung. Und ganz ehrlich, so geordnet wie heute war unsere Wohnung noch nie :). Und das erfüllt mich mit Stolz.
    Dennoch bin ich noch nicht fertig. Es gibt noch diverse Baustellen. Auch das Thema Müllreduktion hat mein Interesse geweckt.
    Dennoch kommt Glück meiner Ansicht nach zentral von innen. Indem man Ruhe in sich selbst findet. Und das ist wieder individuell.

    1. Liebe Cordura,
      das hätte ich nicht besser sagen können, Ruhe kann man nur in sich selber finden.
      Vielen Dank fürs Lesen
      Liebe Grüße
      Anita

  2. Es war ein schöner Artikel zum lesen. Ich habe selber gerade erst angefangen. Und ich denke – auch wenn man irgendwann mit dem ausmisten fertig ist – wird man nie fertig sein mit den Minimalismus. Es ist nicht nur ein Prozess, sondern auch eine Lebensweise, die sich irgendwann in alle Gebiete weiterziehen kann. Wohnung, Ernährung, Konsum. Evtl sogar der Umgang mit Menschen. Aber es ist ein Prozess wie jeder andere. Der den Weg einleitet in die Chance sich eine Umgebung aufzubauen um dann mit seiner äußeren Zufriedenheit (weil zb kein Chaos mehr in der Wohnung herrscht) auch innere Zufriedenheit und Ruhe findet. Jedenfalls ist das mein Ziel 🙂 ob ich es jemals erreichen Werde? Keine Ahnung, aber schließlich „ist der Weg das Ziel“ 😉

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